el camiño - auf dem pilgerweg nach santiago
ausgelöst durch viele aufenthalte in galicien, entschloß ich mich den camiño zu gehen.
was ist der camiño?
einer der drei großen pilgerwege der katholischen christen. so steht der weg zum grab des apostels jakobus neben den wegen nach rom und jerusalem. ob der apostel dort liegt oder nicht sei einmal einerlei. in jüngster zeit zunehmend populär geworden, gefördert durch die heiligen jahre als "xacobeo" bezeichnet. übrigens wieder im jahr 2004. als camino gelten dabei alle wege, welche einen richtung santiago de compostella führen, angefangen vor der eigenen haustür.
ich war neugierig, viele geschichten umwogen diesen pilgerweg. natürlich las auch ich die einschlägigen erzählungen - ohne daraus viel schlauer zu werden. undenkbar, daß das einfache wandern auf einem weg, der schon von tausenden beschritten wurde, einen verändern soll? unglaubwürdig. bleibt nur das persönliche erleben.
was man benötigt?
den mut aufzubrechen, pilgerpaß und wenig gepäck, nein, noch weniger gepäck.
so begann ich anfang september meinen weg auf einer etappe im norden spaniens. mindestens hundert kilometer müssen gewandert werden um als pilger gelten zu dürfen, mehr ist jederzeit erlaubt. selbstverständlich gibt es einschlägige routen. ich entschied mich für den populären "französischen weg", welcher deutlichst durch die jakobsmuscheln als wegzeichen markiert wird. schade nur die vielen vandalen, welche die schilder teilweise aus ihrer verankerung brachen.
wie verläuft so ein normaler pilgertag?
aufstehen zum morgengrauen oder früher. in der regel müssen die günstigen herbergen, welche pritsche und dusche bieten und ausschließlich den pilgern zur verfügung stehen spätestens gegen zehn verlassen werden und öffnen dann gegen mittag wieder zur aufnahme neuer pilger. kurzes frühstück und gepäck geschultert. noch ein "bon camiño" gewünscht und ab geht es, auf eine weitere etappe richtung jakobusgrab. am wegesrand locken später genügend bars, für einen cafe con leche, belegte brötchen oder ein mittagsmahl. pilger sind als wirtschaftsfaktor erkannt und beliebt. gegen nachmittag beginnen die überlegungen wie weit einen die beine heute noch tragen sollen. viele herbergen bieten nur eine begrenzte anzahl von liegen. sind diese belegt, finden sich nur noch plätze auf dem blanken boden. in galicien sind die herbergen zudem klein, aber fein und werden lediglich auf spendenbasis geführt. eine willkommene abwechslung (für den geldbeutel) nach den teilweise teuren und mäßigen unterkünften im restlichen spanien.
auf dem weg: begegnungen. mit einheimischen, anderen pilgern, sich selber. hier treffe ich nicht nur europa, sondern die ganze welt. jeder auf seinem ganz persönlichen weg. erleichterung gibt es kaum, so wächst die pilgerfamilie im gemeinsamen überwinden der geographie und der eigenen grenzen zusammen.
irgendwann melden sich dann doch die beine mit vehemenz, so daß der entschluß fällt, nächste herberge ist schluß für heute. bei der ankunft zeige ich den pilgerausweis vor, als legitimation und um meinen täglichen pilgerstempel zu erhalten. der eintrag in die gästeliste, zuweisung der pritsche und schon geht der weg unter die dusche. im anschluß die kleider vom tag gewaschen, am nächsten morgen müssen diese schließlich wieder trocken sein, dann zum abendessen. entweder mit mitgebrachten lebensmitteln in der komplett ausgestatteten küche oder der weg in die nächste bar. dazwischen immer wieder andere pilger, geschichten, erfahrungen.
die atmosphäre in den herbergen gleicht denen einer klassenfahrt, nur daß die altersschichten etwas durcheinander geraten sind. vor allem auf den etappen vor den letzten hundert kilometern
findet sich das familiäre der pilgergesellschaft ohne den konsumcharakter welcher sich kurz vor santiago durch die kurzetappenpilger einschleicht.
santiago de compostella.
das erreichen der stadt wird für viele pilger zum fest. nach langen entbehrungen ist das ziel erreicht. die beeindruckende kathedrale schien mir, aus den augen des pilgers, trotz regen, noch schöner und die stadt ist ein zusätzliches kleinod. hier trennt sich dann die familie und kehrt zurück in ihre welten.
...oder folgt der tradition der mittelaterlichen pilger und vollendet die pilgerfahrt mit den letzten etappen zum "ende der welt".
deutlich weniger trubel und mehr vom ursprünglichen camino findet sich auf den abgelegenen etappen. glaubte ich mich in santiago bereits am ende, so sind die langen etappen in typisch galicischem klima eine letzte herausforderung. die qualität der herbergen belohnt dann aber für die strapazen.
am cap finisterre schließlich, bei einem perfekten sonnenuntergang endet die pilgerreise und eine weitere grenze ist erreicht. der camiño ließ auch mich nicht unverändert.
bilder zum camiño in der galerie