koch auf der falado
oder: ansgar - die wahre geschichte
dieser text handelt vom segeltörn der horte silbermöve im herbst 1995 und erschien erstmals in der grenze (zeitschrift der jungenschaft grenzlandfahrer) nr. 12. übrigens: der text wurde ohne jede korrektur an stil und rechtschreibung übernommen.
ich hatte mich vor der fahrt freiwillig als schiffskoch oder "smutje" gemeldet. ich dachte mir, es könnte ganz schön sein, diese aufgabe zu übernehmen (was ich so denke). na ja, dann wurde ich halt schiffskoch, es war ja eigentlich gaz nett, obowhl ich mir das schiff ein wenig anders vorgestellt hatte. die "küche" war ein bischen zu klein und in der "messe" war auch nicht sehr viel platz. allerdings war dafür auf dem deck viel platz. eigentlich war das kochen an sich schon ganz in ordnung zumal mir sowieso die "backschaft" immer geholfen hat (was auch ihre pflicht war).
die backschaft ist die schicht, die meomentan weder frei- noch segelwache hat und für das spülen und essenmachen zuständig ist.
der gulf hatte mir auch ein schönes kochbuch gemacht und was da zu kochen war, war alles ziemlich einfach. ein problem an der sache war, daß mir dauernd irgendwelche leute vor den füßen rumgewuselt sind. die vorräte habe ich zusammen mit barney, andi, mirko und noch irgendsoeinem gemacht. das war schon ganz witzig, weil nie (ausser in ausnahmefällen) etwas in diesen blöden supermärkten da war, wo es sein sollte. was auch noch ein problem war, war das, daß wenn wir auf see waren und gerade mal ein paar wellen kamen, ich nicht unter decke konnte, weil ich ein bisserl seekrank war. das läste natürlich proteste aus, weil keiner mit leerem magen weitersegeln wollte. in solchen fällen übernahm meistens der michael die küche. was noch zu erwähnen wäre, war daß wir eine übermäßig große ladung joghurt dabei hatten. das waren so riesige "bauer fruchtjoghurts". wir wussten zuerst gar nicht, wo wir die ganzen joghurts unterbringen sollten. und immer, wenn wir dachten: "puh, endlich alle weg!", da zauberte der barney noch eine kiste aus der hosentasche. als dann alle genug von den joghurts hatten (die besten sorten waren sowieso schon weg), fingen die an, auf einmal die naturjoghurts zu schlachten und mit irgendwelchen marmeladen oder dergleichen geschmackvoller zu machen.
der nächste schrecken kam, als wir im ofen eine alte pizza unserer vorgänger fanden, als wir gerade einen auflauf oder etwas ähnliches backen wollten. die landete dann schnurstracks in der ostsee. aber es war trotzdem kein sehr freundliches gefühl, in den ofen zu greifen und irgendetwas kaltes, fettiges zu spüren. ich saage euch, das war wirklich nicht sehr appetitlich. das schlimmste in meiner laufbahn kommt erst noch das spülen. ich konnte mich zwar oft darum drücken, aber ein paarmal mußte auch ich spülen. das ekelhafte daran war, daß einem immer das wasser in die ärmel gelaufen ist, wenn man gerade am spülen war. das war nicht sehr angenehm. außerdem war das einräumen der lebensmittel auch nicht sehr "prickelnd", wie daniel sagen würde. wenn ich irgendwelche lebensmittel nicht mehr fand und den daniel fragte, ob er mir hilft, hat er immer gesagt: "du bist der koch und du mußt wissen, wo was ist!". dann hat mir meistens der barney geholfen, weil er mit mir zusammen die lebensmittel eingeräumt hat. also, denkt aber nicht, ich hätte alles alleine gekocht, denn wie gesagt, die jeweilige backschaft hat mir beim essenmachen geholfen. meine aufgabe, die ausser dem gewöhnlichen lag, war die, die zutaten für das essen rauszulegen und entweder das lob, wenn das essen gut war, oder die nörgeleien, wenn es schlecht war, einzustecken. irgendwo in diesem heft ist wohl auch die kritik an meinen kochkünsten. ansgar. horte silbermöven.