falke und welle

Der Vorhang ist gefallen

fahnenmast ohne fahne

Auf der Vereinsversammlung vom 09.07.2005 wurde außerordentlich der neue Vereinsvorstand gewählt. Diese Tatsache hört sich zunächst recht trocken und banal an, ist jedoch bedeutender. Mit der Neuwahl des Vereinsvorstandes ging die 15jährige Dynastie, in der der Verein der Förderer der jungenschaften in Hessen e.V. personell identisch mit der jungenschaft grenzlandfahrer war, endgültig zu Ende. Die bereits zuvor neu aufgenommenen Mitglieder von der christlichen jungenschaft kreuzfahrer aus Wiesbaden wurden an Stelle der bisherigen Mitglieder der jungenschaft grenzlandfahrer in den Vereinsvorstand gewählt und haben nunmehr auch die Mehrheit in der Mitgliederversammlung. Der Verein wurde somit unserem Wunsch entsprechend durch „freundliche Übernahme“ an die cj kreuzfahrer übergeben.

Da die grenzlandfahrer zum Teil vor mehr als einem Jahrzehnt den Kreuzfahrern „entsprungen“ ist, schließt sich nunmehr in gewisser Weise der Kreis wieder. Ich glaube für den gesamten alten Vorstand sprechen zu können, wenn ich sage, dass wir, die verbliebenen Mitglieder der ehemaligen jungenschaft grenzlandfahrer uns freuen, dass wir die in unseren Augen am besten geeigneten Nachfolger gefunden haben, um unser Gelände und die Jugendarbeit darauf fortführen zu können. So verabschieden wir uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge, denn auf der einen Seite sind wir froh, dass es nicht unsere Obliegenheit wurde, den Verein aufzulösen und zu beerdigen, doch auf der anderen Seite sind wir auch traurig darüber, dass die Zeit der jungenschaft grenzlandfahrer mit dem Wechsel des Vereinsvorstandes nun endgültig vorüber ist.

Doch ist die Erkenntnis, dass es nun vorüber ist, nicht so schlagartig gekommen, wie sie von mir erwartet wurde. Der Auflösungsprozess der grenzlandfahrer war ein langer, der Weg zu ihrem Ende lang und zermürbend. Immer wieder loderte der Gedanke auf, das Ende vielleicht doch hinauszuzögern. Selbstzweifel darüber, ob man es nicht vielleicht doch besser noch einmal hätte versuchen und eine neue Gruppe anwerben sollen. Auch die quälende Frage, ob es vielleicht grundsätzlich falsch war, Wiesbaden und somit die jungenschaft zu verlassen, um das Glück in der Ferne, weitab von dem bisherigen Leben zu finden. Es gab nicht „das“ Ende, vielmehr war der Abschied ein langer Prozess aus vielen einzelnen Bausteinen.

Der letzte Thing der grenzlandfahrer mit einer Aussprache, die doch nicht völlig befriedigte. Dann das Rundschreiben auf der Suche nach Nachfolgern. Das Ausmisten des Bauwagens war dann zweifellos das Ereignis, welches jedem am deutlichsten auf den Magen schlug. All die alten Liederbücher, „grenze“-Ausgaben, Bilder, Landkarten und Bücher, die einem so vertraut waren. Das Zeltmaterial – wieviele Nächte lag man darunter und hoffte, es möge unter dem ständigen Regen nicht undicht werden? Alte Zeichnungen, auf welchen Lagern waren sie entstanden? Eine große Anzahl von Liederbüchern, die einst kopiert wurden in der Erwartung, dass es noch viele Horten geben würde, an die man sie verteilen müsste. Alte Wanderkarten – wie oft beugte man sich in der abendlichen Dämmerung darüber und stritt sich, wo es besser wäre, nach einem Schlafplatz zu suchen? Ein Teil dessen wurde mitgenommen, als Erinnerung oder weil man es noch brauchen wird. Ein anderer, großer Teil landete im Feuer vor dem Bauwagen. Ein großes Feuer, ein fulminanter Abschied.

Gulf sagte es treffend – all das zu verbrennen war der einzig denkbare konsequente Abschluss und der jungenschaft durchaus würdig. Aufrecht und konsequent, wie die es Zeit ihrer Existenz Anspruch der jungenschaft war, so musste sie auch ihr Ende finden. So hatte dann das Feuer auch etwas befreiendes, etwas endgültiges. Nie wieder würde man in einem schwachen Moment oder Anfall von nostalgischer Emotionalität wieder die Bücher aus dem Feuer nehmen können, um wie einer der Dinosaurier, die man auf den bündischen Festen stets bestenfalls belächelte – schlechtestenfalls verachtete, noch einmal zu versuchen, wieder Pimpf zu sein. Das würde dem Gedanken der jungenschaft zuwiderlaufen. Dass wir uns selbst diese Möglichkeit genommen haben, entspricht unseren Ansprüchen.

bauwagen bei der übergabe

Doch haben wir einiges behalten, so etwa einiges Zeltmaterial. Mit einigem Recht könnte man uns nach meinen vorstehenden Ausführungen fragen, wofür wir das behalten haben. Nein, ich möchte das zuvor gesagte nicht relativieren. Aber ich glaube, dass es uns nicht verwehrt werden darf, die Hoffnung zu hegen, es in einiger Zeit noch einmal zu schaffen, auf Fahrt zu gehen, um noch einmal den rauchigen Geruch von Kohtenstoff in der Nase und den süßen Geschmack von çaj auf der Zunge zu spüren. Wir möchten als „Opas“ wieder auf Fahrt gehen, auch wenn wir damit dann keinen jungenschaftlichen Anspruch mehr verbinden wollen.

Zuguterletzt – was passiert mit dieser Homepage? Ehrlichgesagt – ich weiß es noch nicht. Es ist nun genauso gekommen, wie ich es vor vielen Jahren einmal in der „grenze“ spöttisch und glaubend, dass dies niemal wird eintreffen können, beschrieb. Die jungenschaft ist tot, was noch existiert, ist lediglich ihre Website. Da wir „Opas“ diese Seite momentan noch zur Koordinierung verschiedener privater Vorhaben verwenden und ich sie für eine gute Dokumentation des gewesenen halte, wird sie wohl wenigstens ein paar Monate noch hier im Netz stehen. Vielleicht geben wir sie dann auch noch ab – wer weiß? Darüber möchte ich jetzt noch nicht nachdenken.

So bleibt es mir zum Ende nur noch, der cj kreuzfahrer alles erdenklich Gute für die weitere Arbeit in ihrem neu erworbenen Verein und mit unserem alten, liebgewonnenen Gelände zu wünschen, welches wir nun schweren Herzens, wahrscheinlich für immer, verlassen. Wir wünschen euch, dass ihr dort länger Gruppenstunden abhalten werdet, als wir es getan haben. Wir hoffen, dass ihr noch viele Jahre die Wiese mit Leben erfüllt und den Bauwagen mit Gesang. Solltet ihr jemals Hilfe benötigen oder Fragen haben, so sollt ihr wissen, dass wir immer bereit sind, euch zur Seite zu stehen, auch wenn unsere Fahne nie mehr über dem Bauwagen wehen wird.

Eure grenzlandfahrer.

16.07.2005