jungenschaft gestern und heute
dieser text stammt aus der grenze nr. 15 (1998/99), der zeitschrift der jungenschaft grenzlandfahrer
> jungenschaft wagt das neue
wenn ich sehe, wie manche bündische durch die gegend laufen, weiss ich nicht so recht, ob ich lachen oder weinen soll. da laufen sie mit ihren nostalgischen kniebundhosen umher, diese fossilien aus der bündischen steinzeit! die frauen sehen aus wie die walküren, die männlichen zeitgenossen wie die gaukler aus dem mittelalter.
> jungenschaft ist anders!
auf der anderen seite sieht man daniel am gleichen ort mit jeans, juja und handy umherlaufen. anstelle der mit leder eingebundenen liederbücher mit verschnörkelter schrift sieht man bei uns schlichte, einfarbige bücher. wir benutzen im gegensatz zu den meisten anderen bündischen lediglich die kleinschrift.
> tradition oder moderne?
aber was wollen wir dadurch sagen? wollen wir denn überhaupt etwas dadurch sagen? vielleicht ist es ja auch ganz unwillkürlich unser eigener, ganz persönlicher stil? ganz gewiss zeigen wir dadurch aber auch, wie wenig wir unser fahrtenleben vom normalen leben trennen. auch das passiert uns eher unbewusst. was ist denn schon normal? wenn man einen blick auf den lebenswandel von pfadfindern und jungenschaftern wirft, kann man schnell auf den gedanken kommen: die sind schizophren! aber warum tragen wir denn nun die blaue bluse? * aus modischen gründen? -wohl kaum! * gruppenzwang? -auch! * tradition? -ganz sicher! aber was gilt schon tradition? ist es nicht das innere, das ziel welches den jungenschafter ausmacht? und wenn das so ist, warum tragen wir denn dann die juja? zusammengehörigkeit kann man doch auch auf andere weise zeigen! das alles ist wohl richtig, doch zeigt unsere kluft, woher wir kommen und was wir wollen; nämlich kritisch an die traditionen der dj. 1.11 anknüpfen! zeigen, dass unsere gedankliche basis auf der gleichen ebene, wie die dieser „urjungenschafter“ liegt.
> high-tech jungenschaft!?
die jungenschaft ist im internet! warum? diese frage stellt sich, ja sie drängt sich auf! warum um alles in der welt stellen diese völlig hinterm mond lebenden „pfadfinder“ eine seite ins internet? in der tat ist das eine sehr wichtige frage, denn wir, dieser kleine provinzverein von 25 leuten öffnet sich dadurch millionen von menschen auf der ganzen welt (theoretisch auf jeden fall). passiert das im zuge der globalisierung? die primäre antwort auf diese frage ist offen, einfach und konkret: es macht spass und verschafft ein tolles gefühl! man kann viele vorgeschobene gründe anführen, aber dieser ist der wichtigste und einfachste grund. es macht spass. sicher kann man in diese sache sehr viel hineininterpretieren, wenn man will, um der ganzen sache noch irgendeinen sinn zu geben. um jeden preis muss das einen nutzen haben! oder doch nicht? aber einer fällt mir dazu doch ein, den ich loswerden will: könnte man nicht sagen, dass die jungenschaft sich aus ihrem anspruch heraus, modern, jung, dynamisch und aufgeschlossen zu sein diesem medium nicht verschliessen darf? wir öffnen uns dem internet auf die gleiche weise, wie sich die dj. 1.11 vor bald 70 jahren der fotografie geöffnet hat. wir tun noch mehr; wir denken sogar über sinn und zweck dieser sache nach, so dass wir auch unserem anspruch gerecht werden, kritisch an diese traditonen anzuknüpfen. so sieht man mal, wie traditionen auch sein können. normalerweise assoziiert man mit tradition etwas langweiliges, überholtes, auch wenn es nicht unbedingt negativ sein muss. aus diesem grund, dem wahren dieser tradition, der tradition modern zu sein und die tradition auch mal ausser acht zu lassen, können wir uns zurecht jungenschaft nennen.
> und die zukunft?
selbstverständlich dürfen wir es nicht soweit kommen lassen, dass ein staubkorn auf der festplatte eines ISP-Servers unsere existenz beenden kann. aber solange die jungenschaft nicht nur im internet, sondern auch in den köpfen existiert, wird diese gefahr wohl kaum bestehen. ich hoffe, dass die jungenschaft immer dem neuen offen bleiben wird, um nicht so zu verrotten, wie diese fossilien, von denen ich schon erzählt habe.